CCS Positionspapier

Stellungnahme zum Einsatz der CCS-Technologie in der Region Berlin Brandenburg

Abtrennung und unterirdische Speicherung von CO2

Arbeitskreis Klima und Energie (AK KLEE) des BUND Berlin

Der Energiekonzern Vattenfall plant zur Zeit, CO2 an einem Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde abzuspalten , über eine ca. 100 km lange Pipeline zu transportieren und östlich von Berlin (in Beeskow oder Neutrebbin) in ca. 1000 m Tiefe zu deponieren. Dieses Verfahren nennt man englisch Carbon Dioxide Capture and Storage, kurz CCS. Zur Abspaltung des CO2 soll das energieaufwendige Oxyfuel-Verfahren sowie das Postcombustion-Verfahren eingesetzt werden.1)

Berlin wird teilweise durch die Braunkohleverstromung in der Lausitz versorgt und trägt somit eine Mitverantwortung für die entstehenden Emissionen und den umstrittenen Braunkohletagebau. Was die Endlagerung von CO2 anbelangt, wäre Berlin durch potentielle Unfälle wie beispielsweise die Verunreinigung von Trinkwasser direkt selbst betroffen. Risiken sowie Ewigkeitskosten, die bei dieser Technologie anfallen, werden direkt durch die BürgerInnen und SteuerzahlerInnen getragen.

Dabei ist noch unklar, ob die Technologie überhaupt wie geplant funktionieren wird.2) Gleichzeitig ist der Einsatz von CCS aus verschiedenen Perspektiven problematisch:

Energieeffizienz der Kohleverstromung sinkt drastisch

  • Die Stromerzeugung durch Verbrennung von Braunkohle hat schon jetzt im Vergleich zu anderen Methoden einen sehr niedrigen Wirkungsgrad. Man benötigt also verhältnismäßig viel Braunkohle, um daraus Strom zu erzeugen. Je nach verwendeter CCS-Technologie wird sich der Kohlebedarf um 30-50% erhöhen, da die Abspaltung, der Transport und die Kompression zusätzlich Energie benötigen. Somit müsste in Brandenburg der Braunkohleabbau deutlich erhöht werden, wenn die produzierte Strommenge konstant bleiben soll.

Energiepolitisch problematisch, da erneuerbare Energien blockiert werden

  • CCS soll aus Sicht von Vattenfall den Braunkohleabbau und die Braunkohleverstromung legitimieren. Effektiv wird jedoch der Ausbau von Erneuerbaren Energien blockiert, da Kohlekraftwerke Grundlastkraftwerke sind und deshalb die Leistungsschwankungen (Wind/Sonne) nicht ausgleichen können.
  • CCS würde faktisch die Nutzung der Erdwärme als regenerative Energie (Geothermie) in der Region ausschließen.3)
  • Es besteht weitere direkte Nutzungskonkurrenz der für CCS geeigneten geologischen Formationen zu Wärme-, Kälte- und Druckluftspeichern, die für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien als Speichermedien von besonderer Bedeutung sind.

Ökonomisch nur durch immense Subventionen tragbar

  • Der Einsatz der CCS-Technologie in Brandenburg ist nur durch hohe finanzielle Förderung möglich. So hat die Unternehmensberatung McKinsey berechnet, dass allein die Entwicklung der CCS-Technik in Europa eine rund zehn Milliarden schwere Anschubfinanzierung aus den Staatskassen benötigt.
  • Da die Energieeffizienz sinkt, wird der Strom teurer. Die Mehrkosten müssen die Verbraucher in Form höherer Strompreise tragen.
  • Die CCS-Technologie ist frühestens in 10 Jahren reif, um in großem Maßstab zum Einsatz zu kommen. Bis dahin sind Erneuerbare Energien wie Windenergie in der Produktion voraussichtlich günstiger. Solarenergie für den Eigenverbrauch wird schon ab 2012 günstiger sein, als der Preis von Kohlestrom für Endverbraucher 4).

Gesellschaftlich problematisch, da Kosten und Risiken sozialisiert werden

  • Risiken sind noch unerforscht: Die Einlagerung ist irreversibel – somit wird das Risiko den Bürgern in der Region Berlin-Brandenburg aufgebürdet.5)
  • Falls reines CO2 plötzlich und in großer Menge zu Tage tritt, kann es sich in Senken und Tälern sammeln, da es schwerer als Luft ist. Bei durch Vulkanismus bedingten Katastrophen mit CO2-Austritt sind bereits Menschen erstickt 6).
  • Es entstehen Ewigkeitskosten (z.B. durch das notwendige Monitoring des unterirdischen Endlagers). Zurzeit wird geplant, 30 Jahre nach Beenden der Einlagerung das Endlager an den Bund zu übergeben. So entstehen weitere Kosten, für die SteuerzahlerInnen nächster Generationen aufkommen müssten.7)
  • Vattenfall verfolgt als Konzern in erster Linie Profitmaximierung und wird mit aller Kraft an bereits getätigten Investitionen im Bereich der Kohleverstromung festhalten. Demokratische Kontrolle, Beteiligung der BürgerInnen, Klimaschutz und langfristige Verantwortung stehen somit diametral gegen die Interessen des Großkonzerns.8)

Umweltpolitisch ist der CCS-Einsatz in der Region Berlin-Brandenburg riskant

  • Das CO2 wird in ca. 1000 m Tiefe gepumpt und verdrängt dort gespeichertes Salzwasser. Wenn das Salzwasser in höhere Schichten gelangt, könnte es sich mit dem Grundwasser vermischen, mit dem zur Zeit auch Berlin versorgt wird.
  • Gleichzeitig können durch den für die Verpressung benötigten hohen Druck kleine lokale Erdbeben ausgelöst werden.

Für echten Klimaschutz zu spät und unsicher

  • Die Befürworter von CCS behaupten, dass derart ausgerüstete Kohlekraftwerke „CO2-frei“ seien. Diese Aussage ist falsch, da aus dem Verbrennungsprozess nur ein Teil des CO2 abgeschieden werden kann. Zudem kann ein Teil des CO2 bei der Verarbeitung, dem Transport und dem Deponieren wieder entweichen. 9)
  • Technologie kommt zu spät, da vor 2020 kein nennenswerter Anteil auf die vorgesehene Weise unterirdisch deponiert werden wird – spätestens im Jahr 2015 muss jedoch rechnerisch schon der Höhepunkt der weltweiten CO2-Emissionen liegen (nach IPCC-Bericht der Vereinten Nationen).

Somit lehnt der AK Klee des BUND Berlin die Endlagerung von CO2 aus verstromter Braunkohle entschieden ab. Die beste und von der Natur über Jahrmillionen praktizierte CO2 Speicherung ist die Einlagerung von Kohlenstoff als Kohle unter der Erde. Dort sollte der Kohlenstoff weiterhin gespeichert bleiben.

Wir setzen uns für die Förderung erneuerbarer Energien ein, mit denen schon in wenigen Jahren günstiger Strom produziert werden kann als mit verstromter Braunkohle mit CCS. Gleichzeitig müssen bestehende natürliche CO2-Speicher wie Wälder, Moore oder Böden weltweit besser geschützt werden.

Literatur

Guter Einstieg: Wikipedia: CO2-Abscheidung und -Speicherung

Quellen

1)
Quelle vattenfall.de

2)
Mehre Versuchsanlagen wurden bereits aufgegeben; zu kritischen Wissenslücken der CCS-Technologie siehe GAIA 18/3 (2009): 211-220 Reinhard Grünwald: “CO2-Abscheidung und -Lagerung im Überblick – Technik, Potenziale, Risiken, Kosten und Regulierung”

3)
Stellungnahme Umweltrat 2009, S. 14

4)
siehe z.B. Handelsblatt: Solarworld und Studie von Landesbank Baden-Württemberg: Solarstrom wird 2012 konkurrenzfähig

5)
Stellungnahme Umweltrat 2009

6)
vgl. Katastrophe von Nyos, bzw. Stellungnahme Umweltrat 2009, S. 10

7)
Stellungnahme Umweltrat 2009, S. 24f

8)
siehe dazu z.B. Susanne Commerell: “Schwarzbuch Vattenfall” (PDF)

9)
Vattenfall hat mit dem Begriff irreführend geworben, bis das rechtlich unterbunden wurde, siehe dazu Artikel im Presseportal